Hettlinger-Zytig März

Mama, wo kommen eigentlich die Präsidenten her?

 Eine Dekade lang war Michael Tribelhorn der Präsident des Turnverein Hettlingen. Für unzählige Fester und Anlässe liefen die Fäden in seinen grossen Händen zusammen. An zahlreichen Events hat er unseren Verein und unsere Interessen nach aussen vertreten und war während der ganzen Zeit uns allen ein guter Freund. Nun hat er sich entschieden das Amt des Präsidenten niederzulegen. Schon vor einiger Zeit ist er deshalb mit der Frage an mich getreten, ob denn nicht ich dieses Amt übernehmen möchte? Darüber musste ich nachdenken. Ich bin inzwischen auch seit beinahe zehn Jahren im Turnverein und habe dort viele Freunde gefunden und unzählige fantastische Augenblicke erlebt. Vielleicht ist für mich das Amt des Präsidenten mein Weg, dem Verein, den ich zu lieben gelernt habe, etwas zurückzugeben und darauf zu schauen, dass die Reise auf unserer sonnigen Strasse stets weitergeht. Doch tauchten auch Zweifel auf. Bin ich dieser grossen Aufgabe gewachsen? Werde ich stets die richtigen Entscheidungen treffen? Was ist, wenn alles schiefgeht?

 Ich habe zugesagt. Er freue sich, hat Tribi erwidert, ich müsse mir keine Sorgen machen, es sei überhaupt nicht so wild ein Präsident zu sein. Doch damit war noch nichts entschieden. Schliesslich müssen Präsidenten gewählt werden und ich war nicht der einzige Kandidat für diesen Posten. Und in meinen Augen auch bei weitem nicht der geeignetste. Da wir seit ein paar Jahren mit dem Damenturnverein fusioniert sind, wieso nicht eine Präsidentin? Gibt es für solche Ämter nicht allwissende, perfekte Menschen voller Selbstvertrauen?

 So stellte ich mich am 5.2.2016 an der Generalversammlung des TV zur Wahl.

Die Niederlegung des Präsidiums von Tribi war eine sehr emotionale Angelegenheit. Viele Erinnerungen wurden wachgerufen, Anekdoten erzählt und Bilder gezeigt, in denen Männer, die heute Kinder und einen kleinen Bauch haben, farbige Trainer trugen und lustige Sachen machten. Als Tribi seinen letzten Bericht beendete und verkündete, dass er nun offiziell vom Amt des Präsidenten zurücktreten wolle, erhob sich die gesamte Generalversammlung unter tosendem Applaus der nicht mehr enden wollte. Sicher nicht nur für mich ein Hühnerhautmoment.

 Nun war der TV führerlos. Ein neuer Präsident musste her. Als wurden die Kandidaten nominiert, dabei solche die nicht wirklich wollten und solche die nicht wirklich wussten, dass sie überhaupt Kandidaten sind. So fiel die Wahl auf mich.

Dieses überwältigende Gefühl, wenn sich mehr als 60 Turner und Turnerinnen, von denen ich alle zu meinen Freunden zählen kann, einstimmig für einen aussprechen, kennen wohl nur Wenige. Die richtigen Worte zu finden war gar nicht so einfach, mit diesen strahlenden Gesichter die mir entgegenschauten und meinem stolzgeschwellten Herz in der Brust das gerade ein Schlagzeugsolo veranstaltete. Was blieb mir da auch anderes als mich zu bedanken und zu beteuern, wie sehr ich mich auf all die Abenteuer freue, welche auf uns alle warten.

 Was da alles auf mich zukommen wird bleibt ungewiss, doch jetzt weiss ich, dass ich auf die Unterstützung des tollsten Vereins und der tollsten Menschen zählen kann. Und gemeinsam werden wir die Zukunft zu unserer Zeit machen, zur besten aller Zeiten.

 Florian Kistler